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💚„Du bist nicht therapiebereit.“ – Als ich mich gegen Medikamente entscheiden wollte

Wenn jemand sagt: „Ich habe eine psychische Erkrankung“, denken viele Menschen zuerst an Depressionen.

Vielleicht, weil Depressionen inzwischen häufiger thematisiert werden. Vielleicht, weil psychische Erkrankungen für viele Menschen immer noch ein ziemlich großes, unbekanntes Feld sind.

Aber psychische Erkrankungen sehen nicht alle gleich aus.

Eine Angststörung ist keine Depression. Eine Depression ist keine Angststörung. Und trotzdem können beide miteinander verbunden sein.

Ich habe irgendwann selbst erlebt, wie schwierig es sein kann, seine eigene Behandlung mitzubestimmen.

Ich wusste für mich: Ich möchte nicht sofort Antidepressiva nehmen. Ich wollte zunächst andere Möglichkeiten ausprobieren und verstehen, was mit mir passiert.

Meine Entscheidung wurde allerdings nicht als „Ich möchte andere Wege ausprobieren“ verstanden.

Mir wurde gesagt, ich sei nicht therapiebereit, wenn ich keine Medikamente nehmen wolle.

Und ganz ehrlich?

Das hat mich ziemlich wĂĽtend gemacht.

Ich dachte damals: Das kann doch nicht euer Ernst sein.

Denn therapiebereit zu sein bedeutet fĂĽr mich nicht automatisch, zu jeder vorgeschlagenen Behandlung Ja zu sagen.

Es bedeutet doch auch, sich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen, Fragen zu stellen und gemeinsam nach einem Weg zu suchen, der zu einem passt.

Information und Mitbestimmung sind wichtig.

Medikamente können für viele Menschen eine wichtige und hilfreiche Behandlung sein. Ich möchte sie niemandem ausreden.

Aber genauso wenig möchte ich, dass Menschen das Gefühl bekommen, sie hätten versagt oder seien „nicht therapiebereit“, nur weil sie zunächst andere Möglichkeiten ausprobieren möchten.

Vielleicht brauchen wir nicht die eine große Erklärung darüber, wie psychische Erkrankungen behandelt werden.

Vielleicht brauchen wir etwas anderes:

mehr Aufklärung darüber, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.

Gespräche. Psychotherapie. Verhaltenstherapeutische Methoden. Körperorientierte Ansätze. Medikamente. Übungen. Unterstützung im Alltag. Und manchmal eine Kombination aus mehreren Dingen.

Denn jeder Mensch kommt an einem anderen Punkt an.

Der eine braucht Medikamente.
Der nächste braucht Therapie.
Ein anderer braucht beides.
Und wieder jemand anderes braucht zunächst einmal jemanden, der ihm zuhört und erklärt, was gerade mit ihm passiert.

Wir sind Menschen.

Und vielleicht sollte genau deshalb auch die Behandlung ein StĂĽck individueller sein.

Es gibt nicht den einen Weg aus der Angst.

Es gibt Menschen, denen Medikamente helfen. Menschen, denen eine Therapie hilft. Menschen, die verschiedene Methoden miteinander verbinden.

Und es gibt Menschen, die erst einmal verstehen mĂĽssen, was ĂĽberhaupt mit ihnen passiert.

Vielleicht beginnt Hilfe manchmal genau dort: bei jemandem, der zuhört und sagt: „Lass uns gemeinsam herausfinden, was dir helfen könnte.“

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